|
Beim auf den Christi Himmelfahrtstag vorverlegten Bezirksderby zwischen Kohfidisch und Oberwart erlebte eine imposante Zuschauerkulisse von knapp tausend Zusehern das womöglich letzte Aufeinandertreffen dieser beiden Teams in einem Meisterschaftsspiel für längere Zeit. Denn wenn die derzeitige Tabellensituation auch am Ende der Meisterschaft zutrifft, dann verabschiedet sich Oberwart als Meister nach oben in Richtung Regionalliga Ost und Kohfidisch als Absteiger nach unten in Richtung 2. Liga Süd. Doch 90 Minuten lang war von diesen völlig unterschiedlichen Tabellenrängen wenig bis gar nichts zu bemerken.
In der ersten Halbzeit schien die Fußballhierarchie allerdings noch zu stimmen. Die Gäste aus der Bezirkshauptstadt begannen konzentrierter und übernahmen gleich einmal das Kommando, Kohfidisch hatte mit wieder einmal veränderter Aufstellung hingegen Probleme, ins Spiel zu finden. Durch Fehler machte man sich das Leben schwer, auch die Bewegung ohne Ball ließ deutlich zu wünschen übrig. So agierte Oberwart meist im Vorwärtsgang, kam recht glücklich – nach völlig unnötigem Ballverlust der Kohfidischer Hintermannschaft – in Minute 24 zur verdienten Führung (Kozmor bezwang Torhüter Wagner aus kurzer Distanz) und verwaltete danach geschickt den knappen Vorsprung, wohl auch mit dem Hintergedanken, der Gegner sei ohnehin zu schwach, um gefährlich werden zu können. Und in der Tat blieb es vor der Pause bei Halbchancen für die Hausherren: Zweimal scheiterte Csordas aus spitzem Winkel an Gästekeeper Weidinger, einmal schoss Dakovic aus der Distanz über das Gästegehäuse. Damit sind die nennenswerten Kohfidischer Offensivaktionen der ersten Halbzeit schon aufgezählt. Wirklich Zwingendes fanden auch die Oberwarter nicht vor, doch dominierten sie im Feld und machten einfach den reiferen Eindruck.
Doch nach dem Seitenwechsel bot sich plötzlich ein völlig verändertes Bild. Mit dem Wind im Rücken nahm das Kohfidischer Spiel plötzlich Fahrt auf. Man wirkte entschlossen, wollte sichtlich dem Ganzen eine Wende geben, lief und spielte nun deutlich aggressiver und ließ die Gäste oft minutenlang nicht aus ihrem Verteidigungsdrittel entkommen. Und es stellten sich auch tolle Chancen ein. Zunächst schoss Csordas völlig freistehend nur ganz knapp am langen Eck vorbei. Dann traf Binder mit einem Weitschuss nur die Querlatte (57.). Und nur Augenblicke später landete das runde Leder wieder am Querbalken, Hannes Polzer – der nach seinem Nasenbeinbruch mit Maske und erstmals wieder von Beginn an spielte, wobei er eine glänzende Leistung bot – hieß diesmal der Unglücksrabe. Danach war es wieder Csordas, der die Oberwarter Innenverteidigung wie auf einer Briefmarke aussteigen ließ, aber am Elfer mit einem Außenristschuss auf das falsche Mittel setzte. Bei mehreren Standardsituationen brannte es im Oberwarter Strafraum lichterloh, Horvath klärte einmal per Kopf auf der Linie stehend. Und zu guter Letzt fischte Weidinger einen Dakovic-Schuss aus dem Eck. Und Oberwart? In Minute 77 schoss Lehner aus gut zwanzig Metern am langen Eck vorbei – es war dies die erste Offensivaktion des Tabellenführers nach dem Seitenwechsel überhaupt! Als Kohfidisch in der Schlussphase noch mehr aufmachte, gelangen auch den Gästen wieder gefährlichere Konter, doch wirklich in Griff bekamen die Guger-Mannen die entfesselt herumwirbelnden Heimischen in dieser Halbzeit nie. Doch wer keine Tore erzielt, kann im Fußball nichts gewinnen. Und so blieb Kohfidisch wieder einmal, wie schon so oft in dieser verkorksten Saison, die bittere Erkenntnis, dass es im Fußball keine Schönheits- oder sonstige Preise zu gewinnen gibt. Oberwart gewann 1:0 und bleibt weiter auf Titelkurs, Kohfidisch rutschte auf Grund des schlechteren Torverhältnisses nunmehr sogar auf den letzten Platz zurück. So ungerecht kann Fußball sein, im Boxen hätte Kohfidisch an diesem Abend wohl einen klaren Punktesieg errungen. Aber vergebenen Chancen nachzutrauern hilft rein gar nichts – jetzt stehen die entscheidenden Aufgaben gegen die unmittelbaren Tabellennachbarn bevor. Und wenn nur ein bisschen von dem Glück zurückkommt, das zuletzt gefehlt hat, dann kann und wird Kohfidisch bei ähnlich beherzten Leistungen wie in dieser zweiten Halbzeit gegen Oberwart trotz seines „Lazaretts“ den 14. Tabellenrang noch erreichen.
|